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Klarinette lernen mit 10 Kleinigkeiten zum Erfolg

Klarinette lernen mit Erfolg

Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die dein Üben auf der Klarinette enorm verbessern können.

Zeit investieren alleine hilft nur bedingt, um mit Erfolg Klarinette zu lernen. Der entscheidende Unterschied zwischen Profis und Amateuren ist das „Wie“ beim Üben.

In diesem Video und folgendem Beitrag nenne ich dir 10 Kleinigkeiten, die deinen Fortschritt auf der Klarinette beschleunigen und dein Üben angenehmer gestalten können.

10 Kleinigkeiten mit großer Wirkung

1. Aufwärmen/Einspielen

Bevor du mit dem Üben beginnst, solltest du dich unbedingt körperlich aufwärmen. Vergleiche es am besten mit dem Sport. Um Verletzungen vorzubeugen und erfolgreich zu trainieren, gehört das Aufwärmen dazu.

Du kannst ein paar einfache Dehnübungen oder Atemübungen machen, Treppen steigen, auf der Stelle springen oder worauf du gerade Lust hast. Hauptsache, du kommst irgendwie körperlich in Schwung.

Bedenke auch, dass die Atmung ein Teil des Kreislaufs ist und wenn du den in Schwung bringst, klappt das mit der Atmung beim Klarinette spielen auch besser.

Außerdem ist es ratsam dich genauso mit der Klarinette aufzuwärmen. Das geht am besten mit „lange Töne aushalten“ und Tonleiterstudien.

Nicht selten fragen mich SchülerInnen schon nach den ersten zwei oder drei Tönen, warum das heute nicht so gut klingt. Dabei liegt die Antwort auf der Hand. Ich denke, dass ein Sprinter auch nicht aus dem Kaltstart heraus seine beste Laufzeit läuft und sich dabei auch noch wohlfühlt. Genauso ist es beim Üben eines Instruments. Es braucht ein bisschen Zeit, bis man sich voll und ganz auf das Üben einlassen kann und das gilt nicht nur für den körperlichen Bereich, auch geistig musst du erst einmal ankommen.

Also, Kleinigkeit, die nicht viel Zeit in Anspruch nimmt, aber eine große Wirkung hat!

2. Einzählen

Es kann so simpel sein in ein Stück gut reinzukommen.

Meistens, wenn man einfach zu spielen anfängt, stolpert man erst einmal die ersten zwei oder mehr Takte herum, bis man in den Rhythmus und die Phrasierung gefunden hat. Dann muss man unterbrechen und noch einmal von neuem starten.

Probiere stattdessen doch einfach einmal aus dir ein zu zählen – eine Kleinigkeit mit großer Wirkung! Im Orchester funktioniert es ja auch 😉

Dabei solltest du nur auf eines achten: die letzte Zählzeit vom Einzählen bevor es losgeht, solltest du zum Einatmen nutzen.

3. Bleistift nutzen

Der Bleistift ist eines der wichtigsten Werkzeuge beim Üben. Du glaubst mir nicht? – Dann probiere es bitte aus und zwar am besten so:

Wenn du dich zum zweiten Mal an der gleichen Stelle verspielst, finde heraus, welcher Ton es genau ist und kreise ihn mit dem Bleistift ein oder schreibe den Namen darüber oder setze ein bestimmtes Vorzeichen noch einmal als Erinnerung. Das bewahrt dich davor, die nächsten Male wieder und wieder falsch zu spielen und im schlechtesten Fall diesen Fehler so gut einzuüben, dass er nur schwer wieder auszubügeln ist.

Auch für eine kontrollierte Atmung kann der Einsatz eines Bleistifts helfen. Trage dir die Atemzeichen in die Noten ein. Am besten gleichmäßig verteilt am Ende der Phrasen. Wenn du dir die Stellen sichtbar machst, funktioniert es mit der Atmung gleich besser.

Außerdem kannst du mit Farbstiften deine Interpretation unterstreichen, also dir bei der musikalischen Gestaltung des Stückes helfen.

Glaub mir, diese Kleinigkeit hat wirklich eine große Wirkung!

Nutze den Bleistift
Notenbeispiel zum Abdecken mit der rechten Hand
Du kannst die rechte Hand entsprechend der Griffe von der hohen Lage liegen lassen.

4. Abdecken mit der rechten Hand

Eine enorme Erleichterung z.B. beim Registerwechsel kannst du erzielen, indem du die rechte Hand einfach auf den Klappen liegen lässt.

Die Töne g1, gis1, a1 und b1 werden dadurch in der Tonhöhe nicht verändert, sie klingen aber etwas voller/stabiler und du musst dich beim Wechsel in die Clarin-Lage nur um die rechte Hand kümmern. Dadurch wird der Wechsel wesentlich geschmeidiger.

Eine Kleinigkeit, an die man sich wirklich gewöhnen sollte, da sie eine große Wirkung hat!

5. Mehr Luft

Im Grunde ist dieser Punkt mehr als naheliegend, denn es handelt sich bei der Klarinette um ein Blasinstrument. Luft ist also der entscheidende Faktor bei der Tonerzeugung. Dennoch beobachte ich immer wieder, wie mit zu wenig oder unkontrollierter Luft gespielt wird. Man muss ja auch an so viele andere Dinge gleichzeitig denken… 😉

Mache es besser und arbeite an deiner Luftführung, so dass die Schwingung durch die Klarinette hindurch gleichmäßig erfolgt.

Eine gute Übung ist, wenn du einen Luftballon mit drei oder vier Zügen aufbläst und dann wieder Klarinette spielst. Den Widerstand, den du beim Aufblasen des Luftballons spürst, überträgst du automatisch auf das Klarinette spielen und du wirst einen Unterschied hören und spüren. Der Effekt hält leider nicht so lange an, wenn du dich nicht aktiv darum bemühst. Langfristig also kommst du nicht darum herum, an deiner Luftführung zu arbeiten, damit du die stabile Luftführung jederzeit abrufen kannst.

Wieder einmal eine Kleinigkeit mit großer Wirkung!

6. Voraus lesen

Falls du beim Spielen auf der Klarinette öfter einmal ins Stocken geräts, deine Phrase also nicht so flüssig läuft oder du beim Zeilenwechsel kurz hängen bleibst, könnte diese Kleinigkeit einer sehr große Wirkung für dich haben.

Meistens klingt unser Spiel nicht so flüssig, da wir die Note anschauen, die wir in dem Moment spielen. Dabei spielen wir diese ja schon und könnten unseren Blick zur nächsten Note weiter wandern lassen.

Wenn du es mit dem Lesen eines Textes vergleichst, leuchtet es wahrscheinlich noch mehr ein. Man muss mit den Augen schon ein paar Wörter oder Satzteile vorauslesen, um den Text flüssig und sinnvoll vorzutragen. Genauso ist es auch beim Noten lesen.

Versuche also zunächst immer eine Note voraus zu sein, dann vielleicht einen Takt. Beachte aber dabei, dass du nicht von Takt zu Takt springst, sondern auch da beim Lesen einen flüssigen Übergang schaffst.

Es ist eine Kleinigkeit, zu der man sich vielleicht ein bisschen zwingen muss, aber vertraue auf dich selbst, dein Gehirn verarbeitet schneller als du denkst, und freue dich über die große Wirkung!

Fokus erweitern beim Noten lesen
Den Fokus immer weiter vergrößern

7. Voraus hören

Das Voraus hören ist eine der Königsdisziplinen beim Musizieren. Mit Sicherheit kennst du das, dass es viel einfacher ist, eine bekannte Melodie auf der Klarinette zu spielen als eine unbekannte. Warum ist das so? Na ja, wir wissen im Voraus schon wie die Töne klingen sollen. Auch die Betonungen sind uns klar und große Sprünge funktionieren auch besser.

Deshalb macht es Sinn, sich das Voraus hören auch bei unbekannten Melodien anzueignen. Zugegeben, es ist nicht einfach, aber man kann es in kleinen, leichten Schritten lernen.

Nimm dir z.B. eine Stelle aus einem Stück heraus und versuche dir die Melodie zunächst vorzustellen. Dann singe dir die Töne vor. Wahrscheinlich wirst du feststellen, dass deine Vorstellung anders war, als das was nun aus deinem Mund kam. Aber lasse dich nicht verunsichern, das ist am Anfang normal. Je häufiger du versuchst, deine Tonvorstellung mit deiner Stimme zu treffen, desto besser wird es auch. Spiele die Stelle anschließend auf der Klarinette und überprüfe, ob deine Vorstellung richtig war.

Optimiere diese Schritte über die nächsten Wochen hinweg und du wirst merken, dass diese „Kleinigkeit“ eine große Wirkung hat!

8. Ziel richtig formulieren

Wenn ich dir sage: „Denke jetzt bitte nicht an deinen linken Fuß“, was passiert dann? – Richtig, du denkst an deinen linken Fuß. Dabei hatte ich dich doch darum gebeten, es nicht zu tun.

Um unsere Ziele ohne Umwege zu erreichen, müssen wir auf unsere Formulierungen achten. Eine Verneinung im Satz hilft uns nicht weiter. Besser ist sein Ziel danach zu formulieren, wo man hin will und nicht danach, wovon man weg möchte.

Spielst du also z.B. statt einem gis immer ein g, dann ärgere dich bitte nicht und sage dir nicht: verdammt, ich spiele da immer g. Sondern sage dir: ich möchte/muss da ein gis spielen. Nutze auch gerne einen Bleistift zur Unterstützung (siehe Punkt 3).

Die positive Formulierung einer Zielvorgabe ist wirklich nur eine Kleinigkeit, aber verändert dein Mindset und erzielt dadurch eine große Wirkung!

9. Selbstgespräche führen

Trau dich! Beim Üben bist du doch meistens ungestört, also sollte es kein Problem sein, ein motivierendes Gespräch mit sich selbst zu führen und zwar laut. Es macht einen entscheidenden Unterschied, ob du deine Stimme nur innerlich hörst oder ob du deine Gedanken laut aussprichst.

Sicherlich kennst du so eine Situation, in der dir eine Frage nicht mehr aus dem Kopf geht und du einer Person diese Frage stellst. Sobald du aber die Frage laut ausgesprochen hast, fällt dir schon selbst die Antwort darauf ein.

Auch der Unterricht bei einem Klarinettenlehrer oder einer -lehrerin ist simpel gesagt nichts anderes. Man kommt miteinander ins Gespräch und viele Anweisungen von Lehrerseite wiederholen sich immer wieder. Du kennst sie also schon ziemlich gut.

Warum also nicht sein eigener Lehrer oder seine eigene Lehrerin sein? Es spricht absolut nichts dagegen, aber viel dafür. Sei aber ein wohlwollender Lehrer 😉

Probiere es aus und erfahre die tolle Wirkung dieser Kleinigkeit!

Bild: beim Üben Selbstgespräche führen

10. Halswirbelsäule gestreckt halten

Wenn man mitten beim Üben ist und sich so richtig in die Etüden und Stücke vertieft, ist es nicht selten und ungewöhnlich, dass man eine eher schlechte Körperhaltung einnimmt. Vor allem der Schultergürtel gerät unter Spannung und das wirkt sich leider schlecht auf den Klang und die Ansprache der Klarinette aus. Auch die Luft kann nicht gleichmäßig und unbeschwert fließen.

Mein Tipp: Versuche hin und wieder beim Üben auf deinen Schulterbereich zu achten. Deine Schultern sollten entspannt sein. Das bekommst du leichter hin, wenn du deinen Kopf „richtig aufsetzt“. Der Schnittpunkt von Schädel und Halswirbelsäule liegt genau hinter der Nase und zwischen den Ohren. Danach ausgerichtet kannst du die Halswirbelsäule strecken, den Hinterkopf nach hinten oben bringen und die Schultern entspannen sich automatisch. Außerdem entspannt sich der Kehlkopf und schon klingt es wieder besser auf der Klarinette und die hohe Lage spricht viel leichter an.

Die 10. Kleinigkeit mit großer Wirkung!

Nun wünsche ich dir viel Spaß beim Ausprobieren der vielen Kleinigkeiten und weiterhin viel Freude und Erfolg beim Klarinette spielen!

Deine Verena

Hock Verena 2013 063 B
© Marion Braun

Hallo, ich bin Verena!

Ich bin Profi-Klarinettistin und diplomierte Klarinettenlehrerin. Seit fast 20 Jahren unterrichte ich sowohl an verschiedenen Musikschulen als auch freischaffend.

Meine Leidenschaft ist es ambitionierten Klarinettist*innen zu helfen ihr Üben interessanter, gesünder und leichter zu gestalten.

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